Gerd Müller

Ein Pionier im Öko-Landbau

Von Tobias Rehm

Als Gerd Müller 1979 nach seiner Gärtnerausbildung in den elterlichen Hof in Ochsenhausen einsteigt, steht für ihn fest: Er setzt auf ökologischen Landbau. Zumal seine Eltern diesen Weg mit dem Verzicht auf synthetischen Dünger und Pflanzenschutz bereits 1972 eingeschlagen haben. Gerd Müller geht ihn weiter und ist damit in der Region einer der Pioniere im Öko-Landbau – damals eine Nische, die noch wenig Beachtung findet. Die Anfänge sind nicht immer einfach. Ein Netzwerk oder Erfahrungswerte von anderen gibt es praktisch nicht. „Ich war auf mich allein gestellt und habe mitunter viel Lehrgeld bezahlen müssen“, blickt Müller zurück. Aber er sei von seiner Sache immer überzeugt gewesen. „Mittlerweile weiß ich, dass sich diese Beharrlichkeit ausgezahlt hat.“
Während der Gemüsebauer heute auf den Wochenmärkten in Ochsenhausen, Aitrach und Wiggensbach vertreten ist, gab es in den Anfangszeiten nur den Hofverkauf. Auf diesen machte Müller mit einem Schild und der Aufschrift „Frisch vom Feld, nicht gespritzt“ aufmerksam – „Bio“ als geschützten Begriff gab es damals noch nicht. Zwar hatte der ökologische Landbau auch in den 1980er- und 1990er-Jahren Befürworter, aber es gab eben auch Leute, die Müllers Einstellung nicht nachvollziehen konnten.
Erinnerungen aus einer anderen Zeit, von denen der vierfache Familienvater heute mit viel Gelassenheit erzählen kann. Seinen Biogemüsebau bewirtschaftet er gemeinsam mit seiner Frau Hildegard und einem Angestellten. Auf einem Hektar Fläche wird Gemüse angebaut, auf einem halben Hektar Kartoffeln. Außerdem stehen 800 Quadratmeter Anbaufläche in Gewächshäusern zur Verfügung.  „Mein Ziel war es nie, einen riesigen Betrieb aufzubauen“, sagt Müller. „Ich habe mich immer als örtlicher Nahversorger verstanden und tue das bis heute.“
Weitere Anbaufläche zu gewinnen ist für den 61-Jährigen derzeit kein Thema. Vielmehr stehe die Effektivität im Vordergrund. In den vergangenen Jahren sei es ihm gelungen, seine Flächen bis zu 30 Prozent effektiver zu bewirtschaften – durch technische Hilfsmittel, Einsatz von Nützlingen und eigene Erfahrungswerte. Dies führt unter anderem zu bis zu drei Nutzungen pro Jahr in den Gewächshäusern. Im Herbst werde in diesen nochmals großflächig Ackersalat gesetzt, den er den ganzen Winter über verkaufe, so Müller. Mitte Januar beginne bereits die neue Pflanzsaison mithilfe von Folientunneln, aber ohne Heizung. 
Der Eigenanbau habe beim Kunden schließlich ganzjährig „absolute Kaufpriorität“. Sein Sortiment hat Gerd Müller im Laufe der Jahre immer wieder an die Wünsche der Kunden angepasst. Habe es früher beispielsweise für Auberginen keine Nachfrage gegeben, seien diese heute begehrt. Ebenso Ingwer, den Müller im vergangenen Jahr erstmals selbst anbaute. Auf der anderen Seite seien Rote Rüben irgendwann nicht mehr gewünscht gewesen.
Was der Gemüsebauer noch anmerkt: Die Abhängigkeit vom Niederschlag sei im Gemüseanbau mittlerweile viel deutlicher spürbar als noch vor einigen Jahren. Immer trockenere Sommer führten dazu, dass auf teils kostenintensive Bewässerungslösungen zurückgegriffen werden müsse. Müller selbst hat für sich bereits eine passende gefunden. Er kann aber trotzdem nicht ausschließen, dass der Kunde in Zukunft möglicherweise auf manches Gemüse verzichten muss. So habe er mit dem Anbau von Rettich schon vor Jahren aufgehört. „Der Aufwand für die Bewässerung war zu groß, das hat keinen Sinn mehr gemacht.“   
Losgelöst vom beruflichen Alltag bezeichnet sich Gerd Müller, der neben Schafen und Hühnern auch noch eine Yak-Herde mit 13 Tieren hält, als „Naturmensch“. Ein Stück intakte Natur sei für ihn das Schönste. Diese findet er unmittelbar hinter seinem Haus. Dort erstreckt sich ein acht Hektar großes Areal, auf dem auch eine 2500 Quadratmeter große Blumenwiese angelegt ist. „Der ganze Bereich ist meine kleine Insel voller Vielfalt, mit Insekten, Fledermäusen, Hasen. Hier kann ich die natürliche Schönheit genießen.“

www.biogemüse-müller.de

 

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